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Es ist nicht alles so, wie es sein sollte auf der Welt. Clearasil half schon nicht wirklich gegen Teenagerpickel, Mike Shiva ist im Fernsehen, Marmeladenbrote fallen immer auf die bestrichene Seite, Menschen widmen dem reinen, unverfälschten Altruismus nicht jede einzelne Minute ihres Lebens.
Im ersten Teil habe ich geschrieben, dass ich eigentlich gar nichts zu dieser JRZ-Geschichte machen will. Aber wir kommen eben doch nicht ganz darum herum, zumindest als Aufhänger für ein allgemeineres Thema. Das Problem bei dieser ganzen Spendenfrage ist nämlich ähnlich gelagert wie bei Fussballturnieren: Jeder hat eine Meinung und ausserdem grundsätzlich Recht. Die moralischen Ansprüche wollen schier in den Himmel wachsen.
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So liest man in den letzten Tagen interessante Dinge wie zum Beispiel das hier:
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Ich wollte nur klarstellen, dass JRZ eine gigantische Marketingmaschine ist und sonst nichts. Für all die vielen Menschen, die da mitmachen, geht es nicht darum, notleidenden Kindern zu helfen – denn wenn das ein echtes Anliegen wäre, dann hätten sie das Geld gar nicht mehr, um zu spenden, weil sie es schon gespendet hätten.
(das stand hier, hier gab es auch einige)
Soweit so gut. Ich kann verstehen, dass man die Ausgestaltung der Kampagne auf allen Kanälen nicht goutiert und ebenso die Tatsache, dass sie zahlreichen Akteuren eine Plattform gibt, sich selber gleich mit zu verkaufen. Für dies wie für anderes gilt allerdings: Fundraising ist nun mal nichts, was im Stillen passiert. Das hat etwas mit Aufmerksamkeitsökonomie zu tun. Diese Tatsache kann einem gefallen oder nicht, aber wer in dieser Zeit und in Zukunft Spenden generieren will, muss sich fragen, wie er die nötige Öffentlichkeit schafft und wie er Added Value, einen Mehrwert, für seine Spender generiert. Im vorliegenden Fall ist ersteres gegeben, letzteres passiert durch den Eventcharakter, durch das entstehende Wir-Gefühl.
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Natürlich wäre es ganz wunderbar, wenn einfach so, quasi per Standardeinstellung für alle wichtigen Anliegen gespendet würde. Doch dazu wird es aller Voraussicht nach nicht kommen, denn:
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- Gespendet wird wie schon immer vornehmlich in der Vorweihnachtszeit oder wenn irgendwo eine akut wahrnehmbare Katastrophe geschieht.
. - Kinderhilfswerke und die Krebsliga bekommen immer mehr als die Aidshilfe, eine gängige Feriendestination wie Thailand nach dem Tsunami mehr als Überschwemmungsopfer in Pakistan: Die Nähe zum eigenen Leben ist relevant.
. - Je höher die Öffentlichkeit, desto höher der Spendenstand; eindrücklich zu beobachten anhand der Erdbeben in Haiti und Tibet im vergangenen Jahr. Letzteres fand kaum Beachtung und damit auch signifikant weniger Spenden.
. - Spenden müssen greifbar sein: Warum wohl schnürt beispielsweise Swissaid Spendenpakete in Form von Naturalien? Eine Geiss, ein Esel, ein Velo kauft oder verschenkt sich doch einfacher als eine profane Geldspende, selbst wenn man es nie zu Gesicht bekommt und letztlich weiss, wie der Handel funktioniert. Deshalb laufen übrigens auch «persönliche» Kinderpatenschaften so hervorragend.
. - Und zuletzt der eigentliche Stein des Anstosses: Tue Gutes und sprich darüber gilt nun mal nicht nur für PR-Abteilungen, sondern auch für den Einzelspender: Der gemeine Mensch will sich in seinen Taten verewigen. Man betrachte einmal die gravierten Pflastersteine vor dem Berner Bärenpark. Neu ist das nicht, die technologischen Entwicklungen erweitern nur die Möglichkeiten.
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Diese Mechanismen lassen sich nicht negieren. Der Verfasser der oben als Beispiel zitierten Aussage hat in seinem eigenen Blog einen guten Artikel geschrieben (und gleich noch einen). Er hat in einigen Punkten durchaus Recht. Aber was ihn und ganz viele andere so sehr stört, nämlich dass sich jemand gut fühlt, der eine Spende – hier oder anderswo – gemacht hat, ist ein unabdingbarer Teil des Systems. Mir gefällt es nicht, dass man all die Menschen so launig als Heuchler abqualifiziert, bloss weil sie sich in diesem Fall von einer grossen Kampagne haben mobilisieren lassen. Und ich spreche dabei nicht etwa von mir, die heute Mittag noch eben ein Zwanzigernötli in die Spendenbox vom @hosae gesteckt hat, sondern von den Leuten, die wirklich Zeit, Phantasie, körperliche Kräfte, Herzblut, alles zusammen oder was auch immer investiert haben, um einen Beitrag zu leisten. Diese abwertende Haltung scheint mir allzu selbstgefällig und arrogant und erinnert mich ein bisschen an das alte Sprichwort vom Glashaus.
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Von all denen, die ich in den letzten Tagen vor allem mit markigen Worten erlebt habe, hätte ich eigentlich am liebsten eine Aufstellung von ihren zahlreichen stillen guten Taten im vergangenen Jahr. Ohne Zweifel würde ich die von einzelnen erhalten. Ich rechne mit etwa 10 Prozent. Es ist eben nicht alles so, wie es sein sollte auf der Welt.














